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„Ich bin dann auch mal weg . . .“ – Meine spannende Pilger-Reise!

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© Martina Mack

Fernweh

„Ich bin dann auch mal weg . . .“ – Meine spannende Pilger-Reise!

Es ist eine gewisse Sehnsucht im Herzen der Menschen, die Pilgernde aufbrechen lässt.

Hätte man mir vor ein paar Jahren allerdings gesagt, dass ich selbst einmal eine Pilgerreise machen würde, hätte ich vermutlich ungläubig abgewunken!

Martina-Hurra

Die Motive der Menschen könnten unterschiedlicher nicht sein: Lebensübergänge, die es zu bewältigen gilt, Abenteuerlust oder anstehende Veränderungen.

Mein Motiv war die Suche nach Ruhe, nach Stille verbunden mit Bewegung in der Natur.

Das geht offenbar vielen so. Immer mehr Leute begeben sich heute auf die Spuren der Pilger und Wallfahrer. Auf der Suche nach einem einzigartigen Erlebnis zwischen Natur und Spiritualität.

Auf der Suche nach sich selbst, nach dem Glück und nach Gott.

Intensive und oft unerwartete Erlebnisse mit Menschen, Kultur und Landschaft beweisen: Pilgern früher wie heute bedeutet „Wellness für die Seele“, Besinnung und innere Einkehr.

Bank

Ich wollte also unbedingt einmal ausprobieren, wie eine Pilgerreise auf mich wirkt, was es mit mir macht. Allerdings hatte ich großen Respekt vor der Tour.

Schmerzende Füße, Muskelkater, ich war auf alles gefasst!

Außer kurzen Strecken hatte ich schließlich noch nie eine längere Wanderung gemacht. Doch die Zeiten ändern sich – und zwar in jeder Hinsicht.

Pflanzenaussicht

Der Gedanke, in turbulenten Zeiten zur Ruhe zu kommen, durch blühende Landschaften zu gehen, die Natur, die Stille zu genießen und bei sich selbst im Hier und Jetzt zu sein – diesem Gedanken konnte ich auf einmal doch etwas abgewinnen. Ich wollte das Abenteuer also wagen – was Hape Kerkeling in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ beschrieb, wollte ich zumindest mal im Ansatz versuchen.

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Das Pilgern erlebt eine Renaissance!

Wurzelweg

Seit seinem Bestseller hat das Pilgern tatsächliche eine Renaissance erlebt. Der Verein „Klösterreich e.V. (www.kloesterreich.at), der aus 28 Stiften und Orden in Österreich und den Nachbarländern besteht, bietet touristisch viel, unter anderem auch solche Pilger-Touren.

Ich entschied mich also, durch die wunderschöne Steiermark zu pilgern.

Unsere Gruppe, vier Frauen und ein Mann, brachen im August bei schönstem Sommerwetter auf. Los ging es in Rein bei Graz am „Stift Rein“, das im Jahr 1129 gegründet wurde. Es ist das älteste Zisterzienserkloster der Welt. Unsere kleine Gruppe traf dort auf Prior Pater Martin und den Pilgerbegleiter Karl Paar. Beim Abendessen in der Stifts-Taverne wurden wir auf das Pilgern eingestimmt.

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Pilgerbegleiter Karl Paar führte uns hervorragend über Stock und Stein

Was die Aufgabe eines Pilgerbegleiters ist? Er kümmert sich um alle Belange der Gruppe, um die Planung des Weges, die Wettervorhersage. Und er muss immer einen Plan B haben, falls das Wetter schlecht wird oder es sonstige Probleme gibt.

Er muss wissen, was im Notfall zu tun ist,  muss auch den Umgang mit schwierigen Teilnehmern beherrschen.

Natürlich leistet er auch seelsorgerische Begleitung. Die sichere Führung einer Gruppe erfordert neben theologischen auch durchaus pädagogische Fähigkeiten.

Pater Martin – Als Modefotograf jettete er früher durch die Welt . . .

Pater-Martin

Viele Pilger erleben den Pilgerweg als einen Verwandlungsweg, der einen spirituellen Wandlungs- und Reifungsprozess anregt und unterstützt. Ob das bei mir auch so ist, ich bin gespannt. Zunächst gibt uns der Pilgerbegleiter ein paar praktische Tipps mit auf den Weg.

Gute Wanderschuhe, Pflaster, Trinkflasche, Regenkleidung – alles, was in den Rucksack gehört.

Auch Pater Martin erzählt uns über seine Pilger-Erfahrungen. Seine Lebensgeschichte ist übrigens hochinteressant. In seinem früheren Leben reiste er nämlich mit wunderschönen Models als Modefotograf durch die Welt, bevor er sich für ein Leben im beschaulichen Kloster entschied.

Pater
Pater Martin (l.) und Pater August (r.) erzählten uns vom Leben im Kloster Stift Rein

„Ich habe viel erlebt und viel gesehen. Ich war übersättigt von der Welt, war ständig unterwegs. Ich habe die Stille und Ruhe gesucht, die innere Einkehr. Mein Leben erfüllt mich“, sagt er. Mit dem Stift Rein war er schon als Kind verbunden. Er wuchs in der Nähe des Klosters auf.

Früher sagte ich gerne: Wenn ich mal 50 bin, dann gehe ich ins Kloster!“

Etwas früher, mit 39 Jahren trat er dann tatsächlich ein ins Klosterleben und hat es bis heute nicht bereut. Zum Start unserer Tour wollte er uns am anderen Morgen in der Kappelle von Stift Rein einen Pilger-Segen sprechen.

 Martina-Waldweg
Durch Wald und Wiesen

Er sprach ein Gebet, bat darum, dass wir auf unserer Wallfahrt sicher und behütet sind, dass wir vor Unfall und Gefahren bewahrt werden und sicher an unserem Ziel ankommen. Das war sehr berührend –  selig beschwingt brachen wir auf.

Für den ersten Tag hatten wir uns knapp 11 Kilometer vorgenommen.

Das fand ich eine sportliche Herausforderung, der ich mich allerdings gewachsen sah. Die Füße bestens präpariert, dick eingecremt und vorsichtshalber ordnungsgemäß verpflastert, war ich bester Dinge. Schließlich hatte ich meine ersten schicken Wanderschuhe am Fuß, die Sonne strahlte vom Himmel. Ein perfekter Tag für eine Pilgertour.

Martina-Aussicht

Den Kopf ausschalten und die Natur genießen

Unsere Strecke führte uns über Wiesen, an Straßen entlang, durch Wälder und nach einem kleinen Aufstieg dann auch durch unwegsames Gelände wieder hinab. Das war sozusagen die erste, größere  Herausforderung. Denn es hatte in der Nacht geregnet, der Untergrund im Wald war rutschig.

Dazu gab es viele Wurzeln, über die man besser nicht stolpern sollte. Unser Pilgerbegleiter reichte mir seine Wanderstöcke.

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Damit fühlte ich mich gleich sicherer und schaffte den Abstieg. Unser Ziel: Die Wallfahrtskirche „Maria Straßengel“  tauchte in weiter Ferne auf einer Anhöhe auf. Das Wandern machte mir Spaß. Einfach eintauchen in die Natur, die Gedanken außen vor lassen. Das dauerte eine ganze Weile. Doch plötzlich merkte ich, dass ich ganz bei mir selbst war.

Kirch-Stift
Tor

Es war ein schönes Gefühl, einfach nur auf den Weg zu schauen, sonst an nichts zu denken. Alle Gedanken an die Arbeit, die vielen Projekte, die warteten, die Lieben zuhause – zum ersten Mal seit langer Zeit konnte ich sie ein wenig beiseite schieben.

Wir sahen blühende Blumen-Wiesen, Kürbis-Felder, was für eine Pracht!

Aus der Steiermark kommt das berühmte steirische Kürbiskern-Öl, eine echte Spezialität! Hier mal ein Foto, da mal stehenbleiben und den Ausblick genießen. Das tat gut – richtig gut! Wir marschierten ohne auf die Zeit zu schauen, es war egal, wie lange wir für die Etappe brauchten. Jeder, wie er kann. Die Kirche rückte immer näher – kaum zu glauben, dass wir unser Ziel schon fast erreicht hatten. Mittlerweile war es fast 14 Uhr, die Sonne schien kräftig und machte den letzten Aufstieg zur Kathedrale noch einmal zu einem Kraftakt.

Schnitzel

Stolz kamen wir an – allerdings hatte das Gasthaus oben geschlossen. Bis zur erfrischenden Saftschorle dauerte es also noch ein bisschen. Dafür wurden wir mit dem „Steirischen Steffl“, der beeindruckenden Wallfahrtskirche Maria Straßengel belohnt, eine der schönsten hochgotischen Sakralbauten Österreichs.

Stift Rein und die Wallfahrskriche Maria Straßengel sind seit Jahrhunderten beliebte Pilgerstätten.  Nach der Führung durch die Kirche mussten wir natürlich wieder runter in den Ort.

Anzeige – thalia.de

CD-Chant

`Die Zisterzienser-Mönche von Stift Heiligenkreuz wurden durch die CD „Chant – Music for Paradise“ weltberühmt. Eine kleine Auswahl der CDs bekommt ihr bei Thalia.de. Gönnt euren Ohren etwas Schönes und lasst euch von den ehrwürdig schönen Klängen verzaubern. Viel Spaß.

Im Gasthof erwartete uns nicht nur eine köstliche Johannisbeerschorle sondern auch die größten  Wiener Schnitzel, die ich je gesehen hatte und steirische Backhendl, mit der man eine ganze Kompanie hätte satt bekommen können.

Wir schafften diese Mengen leider nicht. Aber für den anderen Tag bekamen wir alles schön eingepackt. Das würde für uns alle noch einmal reichen! Gestärkt fuhren wir in unsere Unterkunft zurück.  So langsam spürte ich die Müdigkeit in den Knochen. Die Füße hatten super durchgehalten – aber viel war nicht mehr mit mir anzufangen.  Am Abend haben wir mit der Gruppe noch etwas gegessen, dann war ich erledigt. Satt und müde schlief ich wie ein Baby, das schwere Gewitter, das in der Nacht in den Bergen herunter ging, habe ich nicht mitbekommen.

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Das Kloster Stift Rein bei Graz in der Steiermark

Am anderen morgen starteten wir wieder früh in den Tag. Wir fuhren nach Mariatrost, besuchten die wunderschöne Basilika und fuhren dann weiter nach St. Radegund. Dort pilgerten wir auf einem Abschnitt des berühmten Mariazeller Weges – im Gepäck unser Lunchpaket mit dem steirischen Backhendl. 

Die Etappe führte uns auf den Hausberg der Grazer, den Schöckl, der mit 1445 Meter Höhe alles überstieg, was ich mir bis dahin je vorstellen konnte.

1000 Höhenmeter, das war für mich eigentlich nicht zu schaffen – dachte ich zumindest, und schaute ungläubig nach oben. Angeblich, so unser Pilgerbegleiter Karl, überhaupt kein Problem. Okay, ich aber hatte richtig Respekt vor diesem Aufstieg. An der Talstation konnten wir sehen, wie hoch wir mussten.

Pastor
Pater August weiß alles über die Geschichte von Stift Rein. Hier zeigt er den Putz, der aus dem 12. Jahrhundert stammt

Mir wurde leicht schwindelig. Wie sollte ich das nur schaffen? Es ging stetig nach oben, über Stock und Stein, über Wurzeln und Äste.

Puh! Auch wenn ich regelmäßig joggen gehe, war das von der Belastung noch einmal etwas ganz anderes.

Zumal die Luft nach oben bekanntlich dünner wird. Natürlich wollte ich nicht als einzige die Gruppe sprengen und marschierte also tapfer nach oben. Der meditative Aspekt war für mich allerdings erst einmal nicht zu erkennen. Durch die vielen Wurzeln und Steine, über die wir wandern mussten, musste ich ziemlich aufpassen. Ich wollte schließlich nicht stürzen. Oder war diese extreme Art der Konzentration auf mich selbst vielleicht die Meditation?

Bibliothek
Kathedrale

Auf der halben Strecke packten wir unser restlichen Hähnchen aus und stärkten uns erst einmal. Der Gedanke, dass wir erst die Hälfte der Strecke hatten, machte mich etwas nervös.

Ohne die Wanderstöcke von Pilgerbegleiter Karl hätte ich mich ohnehin keinen Schritt mehr weitergetraut.

Zum Glück hielt das Wetter, es regnete nicht. Nicht auszudenken, wenn die Steine auch noch glitschig gewesen wären. Ob mich da oben ein Helikopter abgeholt hätte? Sicher nur in der Horizontalen, also kämpfte ich mich weiter nach oben. Obwohl es sehr anstrengend war, war es natürlich schon so, dass ich total auf mich und den Weg fixiert war. Es gab keinen Platz für andere Gedanken. Irgendwie fand ich das gut. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so auf mich zurückgeworfen und so stark auf mich konzentriert war.

 Dorf

Ein falscher Tritt auf dem schmalen Weg und es hätte böse enden können. Aber es ging alles gut – auch dank Pater Martins Pilgersegen natürlich! Mit hochrotem Gesicht, völlig erschöpft aber auch mächtig stolz kam ich oben an. Niemals hätte ich gedacht, dass ich das jemals schaffen würde.

Der Weg ist das Ziel – und oben wartete der beste Apfelstrudel meines Lebens auf mich!

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Na, wenn sich das nicht gelohnt hat. Das Fazit meiner Pilgerreise: Es war toll, ein echtes Erlebnis! Wer Probleme hat, den Kopf freizubekommen, wer gerne wandert, vielfältige Landschaft und Kultur mag, für den könnte eine Pilgerreise das richtige sein. 

Früher waren Pilgerreisen religiös geprägt, doch heute muss niemand denken, dass er mangels religiösem Interesse nicht für eine Pilgerfahrt geeignet ist.

Für alle, die das Pilgern einmal ausprobieren möchten, bietet Klösterreich einige Angebote. Man kann zum Beispiel auf den Spuren der Benediktinermönche auf dem Benediktweg vom oberösterreichischen Spital am Pyhrn bis nach Slowenien gehen.

Kreuzweg-Schild

Oder mit Lamas auf dem Jakobsweg: In zwei Tagen führt der alte Pilgerweg, der 2004 wiederbelebt wurde, von Stift Göttweig zum Stift Melk.

Auf der 44 Kilometer langen spirituellen Reise entdecken Einsteiger die Faszination des Pilgerns. Wer möchte, kann Lamas als Lasttiere nutzen.

An der Via Sacra, Österreichs ältestem Pilgerweg, liegen die Klösterreich-Stifte Heiligenkreuz und Lilienfeld. Sie bieten Auszeiten und Ruhetage für Pilger an.

Am nächsten Tag machten wir einen Rundgang durch Stift Rein. Pater August, der älteste der Mönche, 1942 geboren, führt uns persönlich und erzählte uns mit viel Leidenschaft von der Geschichte und vom Leben im Kloster.

Wir erfahren auch, dass ein besonders prominenter Gast dort zu Besuch war: Arnold Schwarzenegger,

der 1947 in Thal bei Graz Steiermark geboren ist, stattete dem Kloster im Januar 2017 spontan einen Besuch ab. Der Schauspieler ist nach wie vor sehr heimatverbunden. Die Mönche hatten für den Hollywoodstar ihre Kapitelsitzung unterbrochen. Die Basilika, die Bibliothek mit über 100.000 Bänden und das Stiftergrab, in dem man das Skelett des steirischen Markgrafen Leopold I. , des Gründers von Stift Rein, sehen kann, beeindruckten „Arnie“ sehr. Er betete mit den Mönchen ein Ave Maria in der Marienkapelle, blieb etwa eine Stunde zu Besuch im Kloster.

Skelett

Insgesamt gibt es im Kloster 14 Themenführungen – von der Schreibstube der Mönche, bis hin zur Wasserversorgung des Stiftes im Mittelalter bis hin zu „,Messkleider und Vasa sacra“ – die liturgischen Kleider und die heiligen Gefäße wie sie im Gottesdienst verwendet werden.

Die Führungen sind täglich von 10.30 Uhr bis 13.30 Uhr und kosten 9 Euro.

Es gibt unglaublich interessante Dinge dort zu entdecken, wie zum Beispiel das älteste erhaltene Skizzenbuch des Mittelalters. In der frisch renovierten Werkstatt von Stift Rein gibt es das neue Kompetenzzentrum Kurse für alle, die Interesse an altem Handwerk haben (z.B. Krippenbauen, mit der Sense mähen).

Schrein

Wer einen Blick hinter die Klostermauern werfen möchte, kann das auch bei einer Führung tun. Man kann Buch- und Engelpatenschaften erwerben – und es gibt auch viele schöne Veranstaltungen. Seit dem 12. Jahrhundert ins Stift Rein ein Zentrum der Kultur.

Das Angebot reicht von Uraufführungen in der Basilika und Ausstellungen im Cellarium bis hin zu Volksmusik, Jazz und Literarischem in den historischen Sälen.

Außerdem sind die Räume des Klosters ein stilvolles Ambiente für viele Veranstaltungen.

Die historischen Säle können für Hochzeiten genutzt werden, kirchliche Trauung in der Basilika, standesamtliche Eheschließung im Huldigungssaal und die Hochzeitsparty in den verschiedenen Sälen.

Alles ist möglich – und diese Ehen stehen dann nicht nur unter einem guten Stern sondern unter einem ganz besonderen göttlichen Segen…

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